Petra schließt die Wohnungstür hinter sich, streift die Schuhe ab und bleibt stehen.
Nicht, weil sie will. Ihre Beine wollen gerade nicht mehr.
„Als hätte jemand über den Tag Zement in meine Waden gegossen. Schwer, gespannt, warm. Und die Knöchel abends so dick, dass der Sockenrand einen Ring hinterlässt."
Petra ist 52 und arbeitet seit 26 Jahren in der Altenpflege. Zehn-Stunden-Schichten, Dauerlauf zwischen den Zimmern, kaum eine Pause im Sitzen.
Wer im Einzelhandel steht, in der Gastro bedient oder im Salon hinter dem Stuhl arbeitet, kennt diesen Flur-Moment. Und kennt, was danach kommt:
Der Abend fällt aus. Nicht mehr mit dem Hund raus, nicht mehr zur Freundin, nicht mehr in den Garten. Sofa, Beine hoch, Fernseher. „Ich hab mich abends wie 70 gefühlt", sagt Petra. „Und ich war 49."
Was sie dabei am meisten beschäftigt hat: Mit 30 hatte sie dieselben Schichten. Und abends trotzdem noch ein Leben. „Ich hab gedacht, das ist jetzt der Preis. Für den Job und fürs Alter. Und es wird nicht besser."
Heute steht sie nach derselben Schicht mit dem Hund an der Leine.
Was sich geändert hat, sieht aus wie ein normaler schwarzer Kniestrumpf, kostet weniger als ein Paar Arbeitsschuhe und hat mit dem zu tun, was ihre Mutter früher trug. Nur eben nicht so.
Um zu verstehen, was da passiert ist, haben wir mit jemandem gesprochen, der beide Seiten kennt:
die Station und den Strumpf.